ARBEITSGEMEINSCHAFT CHRISTENTUM UND SOZIALDEMOKRATIE


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Texte

 

Rede zum 41. ordentlichen Parteitag der SPÖ am 12. Juni 2010

Von Gustav Posch

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

 

Es war ein  kalter  Wintertag,  als  Genosse  Michael Häupl  eine  Rede zur 70. Wiederkehr des 12. Februar 1934 vor dem Karl Marx Hof hielt. Der eine oder die andere wird sich noch daran erinnern. Die Konservativen wollten plötzlich mit der Sozialdemokratie die Schuld an der blutigen Unterwerfung des Bürger-krieges teilen.

Neben der strikten Zurückweisung dieses Unsinns berichtete unser Bürgermeister  von seiner Mutter, die eine große Verehrerin des Philosophen Immanuel Kant war. Auf seinem  KATEGORISCHEN IMPERATIV baut jede Ethik auf.

Ganz simpel erklärt heißt es folgendermaßen: Richte deine Handlungen so ein, dass sie auch für andere zum Vorbild dienen können.

Nun ist mir bewusst, dass die Einhaltung eines Leitsatzes dieses  großen Philosophen alles andere als leicht ist. Ohne die Errungenschaften unserer Parlaments- und Regierungsfraktion in der Zeit, da wir wieder die Geschicke unseres Landes mitbestimmen können, kleinreden zu wollen, sind meine Freunde von der ACUS  und ich nicht damit einverstanden,  dass voll integrierte Familien im Morgengrauen abgeholt  und abgeschoben werden und einem ungewissen Schicksal entgegen gehen. 

Mehr als einmal kam es zu Protesten von Nachbarn  gegen diese Handlungen der Behörde, die als unmenschlich empfunden wurden.

Eine andere  Sache ist das  Bettelverbot,  das nun auch in Wien eingeführt wird.

Das Argument dafür ist eine angebliche Bettlermafia, die den Bettlern das Geld wieder wegnimmt. Der Gründer der Vinzi – Gemeinschaften, Pfarrer Pucher aus Graz, der wie kaum ein anderer die Situation der Bettler kennt, verweist diese Ansicht ins Reich der Sagen und Märchen.

Aus ethischen Erwägungen lehnen wir von der ACUS (Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie)  das Bettelverbot ab, weil man zwar das Betteln, aber nicht die Armut  verbieten kann.

 

Ich danke für die Aufmerksamkeit

 

 

 

Erklärung

 Die ACUS protestiert entschieden gegen die geplante Verschärfung des Fremdenrechts
 

In ihrer Budesvorstandssitzung vom 17. Oktober 2009 beschloss die Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie eingedenk des Wertekanons, der sowohl dem Christentum, als auch der Sozialdemokratie als Richtschnur gilt, wie Nächstenliebe, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, gegen die geplante Verschärfung des Fremden- und die Einschränkung des Asylrechts auf das Entschiedenste zu protestieren.

Unser Bundeskongress am 25. und 26. September 2009 im Wiener Renner Institut behandelte ausschließlich das Thema der Migration und der manchmal sogar den Menschenrechten widersprechender Behandlung von Flüchtlingen, die nicht selten unter Lebensgefahr aus ihren Heimatländern geflohen sind und von unseren staatlichen Organen oft und oft wie gemeine Verbrecher behandelt werden.

Als Christinnen und Christen sind wir der Ansicht,  dass  Gerechtigkeit, Menschenwürde und auch die Menschenrechte  von der Sozialdemokratie am besten verwirklicht werden können. Gerade deswegen können wir nicht schweigen, wenn Gesetze beschlossen werden sollen, die in ihrer Anwendung drohen, inhuman zu werden.

Flucht ist kein Verbrechen! Es ist unerträglich, dass Asylwerber, in der großen Mehrzahl unbescholten, noch leichter als bisher eingesperrt werden können. Ganz besonders empört uns das Einsperren von Jugendlichen, manchmal sogar von Kindern.

Es würde einem der reichsten Länder der Erde wie Österreich besser anstehen,  diesen Menschen eine Behandlung angedeihen zu lassen, die die Menschenwürde nicht verletzt. Immer mehr Raum wird den behördennahen Organisationen geboten, die scheinbar Rechtshilfe leisten, in Wahrheit aber in erster Linie dazu dienen, die Abschiebung zu erleichtern. 

Wenn wir unsere sozialdemokratische Seele nicht verkaufen wollen, dann müssen wir uns an die Goldene Regel halten:

 

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

 

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Sehr geehrter Herr Bundesvorsitzender,
lieber Gustav!

Vielen Dank für die Übermittlung eurer Resolution zur Fremdenrechtsnovelle.
Ich finde es richtig, sich bei komplexen Materien wie dem Fremden- und
Asylrecht umfassend mit allen Konsequenzen auseinanderzusetzen und bei aller
Notwendigkeit einer Verbesserung nicht auf den respekt- und würdevollen
Umgang mit Menschen fremder Herkunft zu vergessen. Die aktuelle Novelle
wurde von der Sozialdemokratie mitverhandelt und erfuhr dadurch in vielen
Bereichen Entschärfungen, die ich sehr begrüße. Nun gilt es die Novelle
konsequent umzusetzen, um Missbrauch zu verhindern und jenen Menschen, die
tatsächlich in Not sind, ein rasches und rechtsstaatliches Verfahren zu
ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Gabi Burgstaller
Landeshauptfrau

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Rede von Gustav Posch auf der Konferenz der FSG am 30. Juni 2009

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

 

Als Bundesvorsitzender der ACUS, der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie darf  ich Euch die Grüße und guten Wünsche unseres Bundesvorstandes zum guten Gelingen Eurer Konferenz überbringen. 

Als ich vor 55 Jahren ins Berufsleben ein- und der Gewerkschaft der Metall- und Bergarbeiter beitrat, waren die Zeiten anders als heute. Wir hatten zwar schon das Kinder-  und Jugendschutzgesetz,  aber mit dem 18. Lebensjaht betrug die Arbeitszeit 48 Stunden wöchentlich und der Mindesturlaub  12 Werktage. 

Unseren  Freunden im Gewerkschaftsbund, in der Arbeiterkammer und in der Politik ist es dann gelungen, Schritt für Schritt zu erreichen, dass wir einen Wohlfahrtsstaat sehr nahe gekommen sind.

Die Grundlagen für dieses Erfolgsmodell hatten weit blickende Frauen und Männer geschaffen, welche die für unüberwindlich gehaltenen Gräben zwischen den politischen Lagern zugeschüttet haben. Stellvertretend seien zwei Männer genannt, die wohl zu den größten in der Geschichte unseres Landes zählen. Kardinal König und unser Genosse Bruno Kreisky.  Sie schufen  eine  Basis, auf der das Gebäude unserer Gesellschaft errichtet werden konnte. Es war fest genug, um einigen Stürmen zu trotzen.

Genossinnen und Genossen, ich möchte aber nichts schönreden. Der Wind bläst uns jetzt ins Gesicht. Unsere Partei ist von einer Arbeiterpartei zu einer Arbeitnehmerpartei mutiert. Unsere Wähler beginnen den Rattenfängern nachzulaufen, die wie braune Wölfe im roten Schafspelz  nach dem Muster der dreißiger Jahre das Heil versprechen.

 Die christliche Lehre und die Sozialdemokratie haben die gleichen Wurzeln. Dem Schwachen zu helfen, dem rechtlosen Recht zu schaffen und Nächstenliebe und Solidarität zu üben.

Viele Geistliche, besonders in der Betriebsseelsorge, sind grandiose Botschafter des Wanderpredigers aus Galiläa, den wir Christen als Sohn Gottes verehren. Sie verlassen ihre Sakristeien und teilen- zumindest ein paar Wochen im Jahr-  das Arbeitsleid mit den Beschäftigten in den Betrieben. Ihr Ansehen steht dem eines Gewerkschaftssekretärs nicht nach.

Nach unserem Sozialstaatsvolksbegehren  2002 brachte der Ökumenische Rat der Kirchen, in dem ausnahmslos alle christlichen Kirchen Österreichs vertreten sind, sein Sozialwort heraus. Damit wurde endgültig mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass die Kirchen ausschließlich auf der Seite der Besitzenden stehen.

Lasst uns also ausgestreckte Hände ergreifen und Allianzen schmieden, ähnlich der Allianz für den arbeitsfreien Sonntag.  

 

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

 

 

Rede von Gustav Posch vor dem Parteirat im März 2009

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

Der Slogan von der Neuen Politik, mit dem Werner Faymann und sein Team in die letzte Nationalratswahl gegangen sind, ist kein Slogan geblieben, sondern er wurde verwirklicht.

Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die ausgestreckte Hand   weit wirkungsvoller ist als die geballte Faust und die Politik des Hauens und Stechens unserem Land und auch uns selber nicht von Nutzen ist.

Wir stehen vor der Wahl zum Europäischen Parlament. In meiner Jugend vor mehr als fünfzig Jahren hatten wir einen Traum. Ein Traum, der utopisch anmutete und unerfüllbar schien. Den Traum von Europa ohne Grenzen, „der alten Heimat neues Vaterland“, wie es in einem Lied aus dieser Zeit hieß.

Nun haben wir die Europäische Union. Sie wird bald den ganzen Kontinent umspannen und durch die Verflechtungen der Wirtschaft die Geißel des Krieges bannen.

Aber wie das so ist mit Träumen, sie werden nie völlig war. In unserem Traum gab es keinen Spruch der besagte, „Wenn du den Frieden willst, dann rüste für den Krieg, es gab keine Politik, die Heimatlosen keine Heimat gab und die zuließ, dass der Reichtum, der von allen geschaffen wurde, in die Taschen einiger weniger floss.  

Wir träumten nicht von einer Festung Europa, die Menschen aus Gegenden der Welt, die ihnen keine Chance bot, dem Hunger und Elend  zu entgehen und die sich zu uns durchgeschlagen haben, wie Verbrecher behandelt, einsperrt und manchmal sogar noch ärgeres zufügt.

Träume können manchmal wahr werden. Aber nicht, wenn man die Hände in den Schoß legt. Bei den bevorstehenden E U Wahlen müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, damit

unsere Partei so gut wie möglich abschneidet und mit den sozialdemokratischen E U Parlamentariern der anderen europäischen Ländern eine Wende herbeiführt. Eine Politik, die nicht den Interessen der Konzerne dient, sondern eine lupenreine Arbeitnehmerpolitik betreibt.

 Es wird, so fürchte ich, uns nicht gelingen, das Paradies auf Erden zu errichten, aber es ist unsere Pflicht, wenigstens einen Schritt in diese Richtung zu wagen. Und dann brauchen wir auch nicht mehr zu träumen.

 

 

 

Helmut Hajek ist am 3. Mai 2009 verstorben.

Er ist einer langen  und schweren  Krankheit,  im 70. Lebensjahr  erlegen.

Eine große Trauergemeinde hat ihm am 19. Mai auf dem Döblinger Friedhof das Geleit zu seiner letzten Ruhestätte gegeben.

In unserem Gedächtnis wird er aber weiterleben. Die Art, wie er sein schweres Leiden in Geduld ertrug und bis zuletzt die Hoffnung auf  Besserung nicht aufgab, werden uns ebenso ein Vorbild sein wie sein Enangement für die ACUS. Er war Mitglied des Bundesvorstandes  und Bezirksvorsitzender der ACUS –Döbling. Viele Prominente aus Kirche und Politik, deren es in seinem Bekanntenkreis sehr viele gab, konnte  er als Referenten  gewinnen.

Bis zuletzt galt seine Sorge der ACUS und an seiner Bahre wollen wir geloben, in seinem Sinne weiter zu wirken.

 g. p.

Lebenslauf

 

Geboren am 15. März 1940 in Wien

1944-1946:  Lebte während der letzten Kriegsjahre und in der Zeit danach in Kammer am Attersee Oberösterreich, mit seiner Mutter und seiner Schwester, bei den Großeltern
Aus dieser Zeit stammt seine spezielle Beziehung zu Oberösterreich

Schulzeit

1946-1950:  Volksschule In der Krim in Wien 19

1950-1954:  Hauptschule In der Krim in Wien 19
In dieser Zeit beginnt sein 50jähriges Engagement als Ministrant in der Pfarre Krim

1954-1958:  Besuch der Handelsakademie bzw. der Handelsschule in Wien
Zu diesem Zeitpunkt beginnt sein Einsatz in der Katholischen Arbeiterjugend der Pfarre Krim

1958-1962:  Angestellt bei der Niederösterreichischen Hypothekenanstalt in Wien

1962–1968: Tätigkeit in der Verwaltung der Zeitung „Junger Arbeiter“ (Zeitung der Katholischen Arbeiterjugend Österreichs)
Schulungen für Presseverantwortliche und fallweise redaktionelle Beiträge für die Zeitung.

1966:  Heirat mit Lieselotte

1968:  Geburt von Tochter Ursula

1969-1973:  Berufliche Tätigkeit für die ÖAV (Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit) als Pressereferent und Chefredakteur der ÖAV-Informationen, wissenschaftlicher Mitarbeiter

1971:  Geburt von Sohn Andreas

1972:  Schwerer Verkehrsunfall mit lebensbedrohlichen Verletzungen, mehrwöchiger Spitalsaufenthalt und danach Rehabilitation

1972:  Gründung der Solidaritätsgruppe „Christen für Chile“ unter seiner      Mitwirkung, die Gruppe besteht heute noch, daran hat er fast bis zuletzt mitgearbeitet.

ab 1972:      Beginn eines 30jährigen Engagements im Pfarrgemeinderat seiner    Heimatpfarre Krim und darüber hinaus (Caritasarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Ökumene, Eine Welt–Runde)

1974-2000:  Übernahme in die Dienste d. Österreichischen Bundesinstitutes für Gesundheitswesen.

1977:   Beitritt zur SPÖ
Mitarbeit in der Sektion
Engagement für die ACUS (Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie) in den Jahren vor und während seiner Pension
In Zusammenarbeit von SPÖ Döbling und ACUS organisierte er zahlreiche Diskussionsveranstaltungen mit zahlreichen prominenten Mitwirkenden. Die letzte und größte im September 2008 unter Mitwirkung von Sozialminister Erwin Buchinger und Caritasdirektor Franz Küberl im Bruno Kreisky Forum in Döbling.

ab 1987: Berufliche Kontakte zu Prof. Dr. Peter Schmidt und zur ENA nach Györ/Ungarn, aus denen bald eine Freundschaft wird.

1992-2004:  Seine Enkelkinder Clemens, Katharina, Stephan und Johanna werden geboren. Mit ihnen verbrachte er viel Zeit und sie bedeuteten ihm sehr viel.

2000:     Pensionierung. In diesem Jahr bricht auch seine schwere Krankheit aus, an deren Folgen er am 3. Mai 2009 verstorben ist.

 

Veröffentlichungen

Zahlreiche journalistische Beiträge für verschiedene Zeitungen zu sozialen und kirchlichen Themen.

Auszeichnungen

Verleihung des silbernen Ehrenzeichen im Jahr 1986 für Verdienste um die Republik Österreich für seinen beruflichen Einsatz.

 

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  Gedanken zum Karfreitag 2009

 

                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antrag zur Wiener Landeskonferenz 2009 der SPÖ

 

Gegen Rambomethoden bei der Polizei

Die Zeiten, da die Exekutive und die Arbeiterschaft sich unversöhnlich gegenüberstanden, sind seit einem Menschenalter vorbei. Mit dem Ende der Schreckensherrschaft der Hitlerdiktatur ist unsere demokratische Republik wieder erstanden und die Polizei ist ein integrierender Bestandteil unseres Staatswesens und von Gegnern zu Freunden und Helfern geworden.

 Einige wenige Beamte trüben allerdings dieses positive Image. So wie unlängst in der U-Bahn Station Spittelau, als ein Fahrgast nach dem Aussteigen von zwei Beamten in Zivil, die sich nicht zu erkennen gegeben hatten, wortlos zu Boden geworfen und krankenhausreif geschlagen wurde. Der Grund dafür war eine Verwechslung, wie die Polizei erklärte. Wir meinen aber, dass  selbst ein Gesetzesbrecher ein Recht auf eine menschenwürdige Behandlung hat. Wir fordern die letztverantwortliche Innenministerin Frau Dr. Maria Fekter auf, dafür Sorge zu tragen, dass ein solcher Vorfall sich nicht mehr wiederholt..

 Bezirksgruppe Döbling der ACUS (Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie)

 

 

 

 

 Cartoon von Gerhard Haderer (zum Vergrößern anklicken)

 

 

 

Rede am SPÖ Parteitag vom ACUS Bundesvorsitzenden Gustav Posch am 8.8.2008

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

Als wir hier an diesem Platz vor zwei Jahren unseren letzten Parteitag  abhielten, schien die Bastion der schwarz-blau-orangen Regierung uneinnehmbar. Doch wir haben es gemeinsam geschafft, diese Wahl zu gewinnen.

Jetzt, zwei Jahre danach, stehen wir  wieder vor einer Nationalratswahl. Die Ausgangsposition ist womöglich noch schwieriger geworden.

Wir sollten uns aber nicht nur darauf konzentrieren, die Schuld an allem Übel Schüssel, Molterer und Co zuzuweisen. Es könnte sonst leicht sein, dass wir bezichtigt werden würden, den Balken im eigenen Auge nicht zu sehen,  jedoch über den Splitter im  Auge des anderen uns zu erregen.

Unser eben beginnender Wahlkampf  weist aber in die richtige Richtung, denn die Slogans sind griffig und einprägsam. Wir als ACUS hoffen, dass Werner Faymann gelingen möge, was Alfred Gusenbauer versagt geblieben ist, nämlich eine Regierung zu bilden, die nach Ablauf der Legislaturperiode auf die Bewältigung der im Moment liegen gebliebenen Aufgaben hinweisen kann.

Es ist heute weder Zeit noch Ort, über  Fehler, die in den letzten Jahren passiert sind, zu debattieren. Aber nach der Wahl müsste eine breite Diskussion in unserer Partei Platz greifen, denn etliche unserer Kernwähler sind von  unserer Partei  enttäuscht und diese Menschen müssen wir unbedingt zurückgewinnen.
 

Wichtig wäre auch, uns  mehr auf unsere Wurzeln zu besinnen und uns stärker als  bisher für die Anliegen jener Menschen einzusetzen, die vom allgemeinen Wohlstand ausgeschlossen sind und am Rande der Gesellschaft leben. Wir sind ja die Partei der "Kleinen Leute",
wir stehen für soziale Gerechtigkeit, auch wenn dieser Kampf im Zeitalter  des globalen Neoliberalismus scheinbar aussichtslos ist.

Ich will hier nicht den Inhalt unserer Anträge wiederholen, aber Themen wie 

Sicherung des Sozialstaates durch eine aktive   Arbeitsmarktpolitik

Wirksame Bekämpfung der Armut durch Umverteilung und

eine  humane Flüchtlingspolitik halten wir für unverzichtbar.

Als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie möchte ich ein Wort zu  der Rolle der Kirchen in Österreich sagen. Vor 5 Jahren haben alle christlichen Kirchen in Österreich in ihrem Sozialwort auf die Wichtigkeit dieses Themas  hingewiesen.  Die Grundsätze der Religionen und der Sozialdemokratie sind in vielen Bereichen deckungsgleich, obwohl das manche auf beiden Seiten nicht immer wahrhaben wollen.

Meine Freunde von der ACUS und ich sind jedenfalls  Sozialdemokraten, nicht obwohl wir Christen sind, sondern weil wir Christen sind.

Bruno Kreisky wird der Ausspruch zugeschrieben: “Wenn es uns gelingen könnte, die Christen für unsere Idee zu gewinnen, wären wir unüberwindlich.“

Ich danke für Eure Aufmerksamkeit. Freundschaft!

 

 

Rede zum 1. Mai von Franz Sieder

Der erste Mai ist mehr als Nostalgie, wo wir jener Gedenken, die ihr Leben eingesetzt haben, um für die Befreiung der Arbeiterinnen zu kämpfen. Der erste Mai ist auch jener Tag, der den Arbeiterinnen und Arbeitern von heute bewusst machen soll, dass dieses Befreiungskonzept noch nicht abgeschlossen ist und dass es wichtig und notwendig ist weiter zu kämpfen.

Die Unterdrückung und Benachteiligung der arbeitenden Menschen ist heute vielleicht etwas subtiler geworden. Mobbing, Arbeitsstreit, prekäre Formen der Arbeit, Fließband und Akkordarbeit, Benachteiligung der Frauen. Das alles gibt es auchheute und das gibt es auch in Vorarlberg. Es darf nicht nur darum gehen, dass wirallgemein von Gerechtigkeit und sozialer Fairness sprechen – es muss auch darum gehen, dass die Ungerechtigkeiten und die soziale Unfairness beim Namen genannt wird.

Unsozial und unfair ist es, wenn Manager wie ein Siegi Wolf bei Magna ein Jahresgehalt von 15 Millionen Euro haben und in der Textilindustrie - zumindest bei uns in Niederösterreich - die Frauen bei härtester Fließband und Akkordarbeit einMonatsgehalt bei einer 40 Stunden Woche von 760 Euro haben. Eine Verteilungsgerechtigkeit von Reich und Arm ist dringend notwendig in Österreich un auch weltweit. Ich bin aber nicht nur für eine Unverteilung von Reich zu Arm – Ich bin auch für ein Teilen der Arbeit – das ist der christliche Weg. Das Teilen von Arbeit heißt Arbeitszeitverkürzung. Jene, die Arbeit haben, sollen Ihre Arbeit mit denen teilen, die keine Arbeit haben. Diese Arbeitszeitverkürzung soll natürlich geschehen bei vollen Lohnausgleich. Es ist genügt gesellschaftlicher Reichtum da. wir müssten nur den Reichen mehr wegnehmen – sie sind dann immer noch reich. In einem reichen Österreich muss auch ein gutes Gesundheitssystem finanzierbar sein. Solange wir uns unfinanzierbare Abfangjäger leisten muss auch das Geld für die Gesundheitsversorgung da sein.

Die sogenannte soziale Marktwirtschaft wurde umgewandelt in eine neoliberale Wirtschaft. In dieser neoliberalen Wirtschaft zählt der Mensch nichts, nur der Profit. Heute reagiert der Markt total und was in diesen Markt nichts einzubringen hat, derist uninteressant, der bleibt oft draußen und der kann verrecken. In vielen Ländern unserer Erde entscheidet der Markt über Leben und Tod.

Die Wirtschaftsverantwortlichen möchten auch immer mehr die sozialen Schranken abbauen – sie möchten immer mehr in den heiligen Bezirk der Humane eindringen und ohne Rückstand auf Verlust Gewinn machen. wachsam sind und sich nicht blenden lassen. Das neoliberale Hochwasser droht uns zu überschwemmen und wir müssten gemeinsam als Kirche, als Sozialdemokratie und als Gewerkschaft Dämme errichten, damit uns dieses Hochwasser nichtüberschwemmen kann. Zu diesem Damm gehört auch die Mindestsicherung. Ich würde mir nicht nur eine Bedarfsorientierte, sondern eine bedingungslose Mindestsicherung wünschen. Dann wären nämlich die Arbeiter nicht mehr erpressbar und sie müssten nicht unter jeder Bedingung eine Arbeit annehmen. Es müsste dann eine menschenwürdigere Arbeit angeboten werden.

Wir feiern heute auch das Fest Christi Himmelfahrt. Wenn ich dieses Fest mit der Arbeit in Verbindung bringe, dann möchte ich sagen, dass Jesus und nicht nur auf ein besseres Jenseits nach dem Tod Vertröstet hat, sondern dass er auch möchte,dass es uns hier auf dieser Welt gut geht – dass es menschenwürdige Arbeitsbedingungen gibt – dass die Kluft zwischen Arm und Reich kleiner wird, dass Ungerechtigkeiten abgebannt werden und dass alle Menschen unserer Erde inFreiheit und würde Leben können. Jesus hat gesagt: „Ich will, dass die Menschen dasLeben haben und dass sie es in Fülle haben:“ In der Bibel heißt es z.B. dass die Vorenthaltung des gerechten Arbeitslohnes zu den himmelschreienden Sündengehört.

Die katholische Soziallehre, das sind die Sozialenzykliken der letzten Päpsten, wiederholt immer wieder, dass die Abriet Vorrang vor dem Kapital haben muss, weil die Arbeit immer mit dem Menschen selbst zu tun hat, während das Kapital nurinstrumentalen Charakter hat. Die Konsequenz dieser Grundsätze wäre, dass die  eigentlich bestimmenden in der Wirtschaft die Arbeiter sein sollten und nicht die Kapitaleigentümer. Jesus war ganz sicher immer parteiisch für die Kleinen und Schwachen – er hat die Habgier und den Reichtum gebrandmarkt und er war ein leidenschaftlicher Kämpfer für Gerechtigkeit.

Es ist nicht richtig, wenn sich eine Partei christlich nennt oder sich auf die Grundwerte der kirchlichen Soziallehre berufen möchte, wenn sie sehr offensichtlich eine Politik für die Reichen macht. Und ein Anwalt der neoliberalen Wirtschaft ist. Welche Partei ich meine dass wisst ihr. Ich habe mit dem Politologen Emmerich Talos gesprochen und er hat mir bestätigt, dass alle Reformen die in der Schüsselregierung durchgeführt wurden, letztlich Reformen waren, von denen die Reichen profitiert haben. Wenn links heißt, auf Seite der Schwachen der Gesellschaft zu stehen und wenn links heißt, sich Einsetzen für mehr an Gerechtigkeit, dann kann eine christliche Politik nur eine linke Politik sein. Ein Gradmesser, nach der wir die Politik immer bemessen sollen ist, ob es in der Grundintention wirklich um den Menschen geht.

Ein Schüsselsatz der Heiligen Schrift steht im so genannten Hohelied der Liebe. Er heißt: „Wenn du alles, was du besitzt den Armen ausleihen würdest, hättest aber die Liebe nicht, dann wäre alles umsonst.“ Das heißt übersetzt: „Du kannst vielleichtäußerlich durch manche soziale Farben den Anschein von Liebe und sozialem Engagement erwecken“ – das hättest du aber die Liebe nicht. Heißt: „Wenn es dir in deinen Intention, in deiner innersten Absicht nicht wirklich um den Manschen geht, dann ist alles umsonst und dann hat auch dein Handeln nichts mit Liebe zu tun.“ Ich will jetzt die Sozialdemokratie nicht heilig sprechen – ja ich möchte sogar sagen, dass sie auch in Gefahr ist, zu verbürgerlichen oder von Bazillus des neoliberalen Denkens angesteckt zu werden. Wir müssen da immer auch Wachsam sein undbereit sein und zu den sozialdemokratischen Grundwerten zu bekehren. Das eine aber getraue ich mir zu sagen, dass diese Grundintention für den Menschen, besonders für die Schwachen der Gesellschaft in der Sozialdemokratie immer war und auch heute da ist. Wenn diese Grundintention nicht da wäre, dann würden wirauch den Namen Sozialdemokratie nicht verdienen.

Zu den Merkmalen der Sozialdemokratie gehört auch die Affinität zu den Arbeitern und Arbeiterinnen. Auch wenn sich die Sozialdemokratie öffnen muss für andere Schichten und Milieus, die Arbeiter müssen der Sozialdemokratie immer eineprivilegierte Schicht bleiben und sie müssen das Gefühl haben, dass die Sozialdemokratie ihre politische Heimat ist und dass in dieser Partei ihre Probleme gehört werden. Ich bemühe mich auch sehr um eine Versöhnung zwischenSozialdemokratie und Kirche. Ich habe meinem Bischof einmal gesagt: „Es gibt keine Versöhnung zwischen Kirche und Arbeiterschaft, wenn es nicht zugleich auch eine Versöhnung zwischen Kirche und Sozialdemokratie gibt.“ Die wirklichen christlichen Werte sind vielfach sehr identisch mit den wirklich sozialdemokratischen Werten.

In unserer neoliberalen Wirtschaft versucht man auch die Gewerkschaft zu unterminieren oder auszuschalten. Frank Stronach hat gesagt: „Ich weiß, was die goldene Regel ist, wer da Gold hat, der macht auch die Regel.“ Wer dieGewerkschaften ausschalten möchte, der legt sine Axt an die Wurzeln der Sozialdemokratie. Wenn es die Gewerkschaften nicht gäbe, dann müssten sie in unserer menschenverachtenden, neoliberalen Wirtschaft neu geschaffen werden.Ich rufe alle unter euch auf, die noch nicht bei der Gewerkschaft sind, dieser beizutreten. Wir dürfen auch keine Angst vor dem Demonstrieren und dem Streik haben. Der Streik ist ein legitimes, gewaltloses Mittel, um der Gerechtigkeit zumDurchbruch zu verhelfen. Auch in der Kirche müssen wir diese Hemmschwelle der Demonstrierenden für eine gerechtere Welt verlieren.

Ich habe einmal einen Unternehmer gefragt, ob er mir Recht gibt in der Behauptung, dass den Arbeitern allen, was sie an sozialen Ehrungen schaffen haben, niemals von oben geschenkt wurde, sondern dass sie sich das alles erkämpft haben. DerUnternehmer sagt nur, „Ja, da gebe ich Ihnen Recht.“ Das stimmt vielleicht nicht ganz auf Vorarlberg, wie ich gehört habe, dass es bei euch auch Unternehmer mit einem sozialen Herz gibt. Ich möchte auch nicht in erster Linie den Unternehmer an den Pranger stellen. Die kleinen Gewerbetreibenden sind selbst oft arme Hunde und müssen in diesemSystem oft ums Überleben kämpfen. Es ist oft ein Fressen und Gefressen werden. Das eigentliche Schwein, das wir bekämpfen sollen, ist nicht der Unternehmer, es ist nicht das menschengerechte, sondern nur geldgerechte System. Der Papst hat dieses System „Strukturen der Sünde“ genannt. Wir brauchen ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, wo der Mensch das Ziel ist und nicht der Profit. Marion Gräfin Donhöff, die frühere Herausgeberin der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ - sie ist sicher nicht dem linken Lager zuzuordnen – sie sagte: „Der Motor dieses Systems ist der Eigennutz – es geht nur darum besser zu sein und mehr zu verdienen als die Konkurrenten.“ „Der kritische deutsche CDU’ler Heiner Geißler hat dieses neoliberale Wirtschaftssystem mit seinen Heuschrecken-Kapitalismus vor 2 Jahren einmal als Mafia und Terrorismus bezeichnet.

Wenn wir das Gleichnis vom barmherzigen Samariter nicht nur so verstehen, dass wir die Wunden derer verbinden, die sozial geschädigt wurden, sondern dass wir auch die Räuber und Gauner bekämpfen sollen, die ununterbrochen den Menschen diese Wunden zufügen, dann heißt es Räuberbekämpfung. Auch dieses unmenschlicheneoliberale Wirtschaftssystem zu demaskieren und zu bekämpfen, durch das Mensch und Natur unter die Räder kommen.

Der legendäre und visionäre Gewerkschafter und Sozialist Alfred Dallinger, der hier in Vorarlberg auf so tragische Weise den Tode gefunden hat – er war einmal von der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie bei uns in Amstetten zueinem Vortrag eingeladen. Er sagte damals als Schlusssatz: „Wir müssen als Christen und als Gewerkschafter näher zusammenrücken, denn wir haben dieselben Ziele und dieselben Gegner.“ Als Christen und als Sozialdemokraten glauben wir, dass das Gute möglich ist. Die unmenschliche neoliberale Wirtschaft wird einmal wie ein Kartenhauszusammenbrechen. Wir wissen und glauben auch, dass Gott in unserem Einsatz für eine gerechtere Welt auf unserer Seite ist. Am Ende wird der siegen, der die größereLiebe hat.

Albert Einstein sagt: „Nur die Theologie lehrt uns, dass der Mörder über das geschundene Opfer letztlich nicht triumphieren wird. Die Theologie lehrt uns, dass die Unterdrücker und Ausbeuter letztlich nicht den Sieg davon tragen werden. AlbertCamus, der große französische Dichter und Philosoph hat – obwohl er selbst nicht Christ war, einmal einen Appell an die Christen gerichtet. Ich möchte diesen Appell von Albert Camus jetzt zum Schluss an die Christen und Sozialdemokraten richten. Er heißt: Wir können zwar nicht verhindern, dass diese Welt eine Welt ist, in der Kinder gemordet werden, aber wir können die Zahl der gemordeten Kinder verringern und wenn Sie als Christen und Sozialdemokraten uns dabei nicht helfen,wer soll uns dann helfen!

Vor kurzem hatten wir den 40. Todestag des Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King begangen. Knapp vor seiner Ermordung hat er in Washington seine große Rede „I have a dream“ gehalten. Er sprach vom Traum, einem befreiten und glücklichen Amerika. Ich möchte jetzt zum Schluss auch noch einige sozialdemokratische Träume nennen, die ich habe.Ich träume davon, dass in Kirche und Gesellschaft die Unterdrückung und Benachteiligung der Frauen beendet wird. Ich träume davon, dass alles, was Dienst am gesamten Volk ist nicht privatisiert wird. Bahn, Post, Gesundheitswesen, Wasser, Bildung – das alles gehört nicht in die Hände von profitgierigen Privatunternehmen Ich träume davon, dass sich die Sozialdemokratische Partei klar abgrenzt, von der Ausländerfeindlichkeit einem BZÖ und einer FPÖ. Die Frage ob das Bootvoll ist, dürfen wir erst dann stellen, wenn wir auch wirklich schon Opfer für die Ausländer gebracht haben.

Ich träume davon, dass in der SPÖ sich unser Herz auch öffnet für die hungernden und Not leidenden Menschen in anderen Ländern. Globalisierung heißt auch ein weltweites Verantwortungsbewusstsein entwickeln.Ich träume davon, dass der Casinokapitalismus auf unserer Welt verschwindet und dass sich in der SPÖ niemand – sowie Herr Elsner auf solche Casinospiele einlässt.

Ich träume davon, dass es uns gelingt die permanente ökologische Zerstörung auf unserer Erde zu stoppen und wir auch den kommenden Generationen die Chance geben, gut auf unserer Erde leben zu können. Ich träume davon, dass wir mit Hilfe von Gewerkschaft und SPÖ Arbeitsbedingungen schaffen, wo die Menschen gerne in die Arbeit gehen und niemand mehr durch die Arbeit gesundheitlichen Schaden erleidet. Ich träume davon, dass alle sozialdemokratischen Politiker ihre Politik in einer hohen ethischen Verantwortung ausüben, dass es ihnen nicht um ihre persönliche Karriere – auch nicht um die Partei, sondern nur um den Menschen geht.

Ich träume auch davon, dass unser Volk gescheiter wird und dass sie keine Bushs und keine Berlusconis mehr wählen.Ich träume davon, dass das, was wir in der Theologie „Reich Gottes“ und in der Sozialdemokratie klassenlose und solidarische Gesellschaft nennen, kommen möge.

Glück auf!

Ein Hoch dem 1. Mai!

Freundschaft!

 

 

 

 

 

 

 

Josef Freihammer +

  Der Pädagoge, Historiker und Politiker starb Anfang März im 87. Lebensjahr.

 

Am 13. März fand die Totenmesse in der Pfarrkirche St. Stephan im Amstetten statt. Franz Sieder, der „Rote Kaplan“, der mit dem Verstorbenen sehr verbunden war, hielt eine berührende Predigt. Er sagte unter anderem:

 

Liebe Uli! Liebe Ilse! Liebe Schwester des Verstorbenen!

Liebe Enkelkinder, Liebe Verwandten!  Liebe Vertreter der Gemeinde Amstetten!

Liebe Gesinnungsfreunde der Sozialdemokratischen Partei! Liebe in Trauer Versammelte!

 Ich möchte vorausschicken, dass ich jetzt nicht in erster Linie über den Politiker, Lehrer und Historiker Josef Freihammer sprechen möchte. Seine politischen Verdienste wird noch der Bürgermeister Herbert Katzengruber würdigen.  Ich möchte in erster Linie über den Menschen Josef Freihammer sprechen. Ich möchte über jene Werte  sprechen, die er gleichsam mit hinüber genommen hat in die Ewigkeit. Titeln und Karriere zählen nämlich nichts mehr im Angesicht des Todes.  Es zählen nur noch die menschlichen Werte, die einen Menschen ausgezeichnet haben und ich darf sagen, dass Herr Freihammer hohe menschliche Werte gehabt hat.  

Ich war mit ihm nicht nur verbunden durch unser gemeinsames Enangement in der Arbeitsgemeinschaft  Christentum und Sozialdemokratie – uns hat auch eine persönliche Freundschaft verbunden. Ich habe ihn sehr geschätzt und ich habe ihn wirklich gern gehabt. Wenn ich mit manchen Leuten über Josef Freihammer gesprochen habe – ganz gleich welcher Partei sie angehörten – da habe ich oft den Ausspruch gehört: „Der Freihammer ist ein Ehrenmann“

Wenn ich jetzt einige seiner Werte hervorhebe, dann möchte ich als erstes nennen seine Geradlinigkeit. Es gibt einen Film über den heiligen Thomas Morus, den englischen Kanzler, der unter Heinrich VIII, umgebracht wurde. Dieser Film hat den Titel: „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“. Diesen Titel könnten wir auch Josef Freihammer verleihen. Auch er war ein Mann zu jeder Jahreszeit. Er ist zeitlebens seinen Weg geradlinig gegangen. Er war nicht korrumpierbar. Er hat sich durch seine politischen Ämter keine persönlichen Vorteile verschafft. Diese Haltung ist heute nicht selbstverständlich unter Politikern, das wissen wir alle.  Er ist der Versuchung der Eigenprofilierung und der Macht widerstanden.  Er hat mir selbst einmal erzählt, dass er nie nach Macht gestrebt hat. Er sagte mir auch, dass ihn einmal ein Nationalratsmandat angeboten wurde an einer sicher wählbaren Stelle, er hat aber abgelehnt aus familiären Gründen.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es etwas Schlechtes ist, ein höheres politisches Amt zu übernehmen. Ich möchte nur sagen, dass der Herr Freihammer nicht nach Macht gestrebt hat. Er hat seine politische Verantwortung als Dienst an den Menschen gesehen – so wie es Jesus einmal im Evangelium gesagt hat:“ Wer der erste ist, der soll der Diener aller sein.“ Demut und Bescheidenheit war ein prägendes Wesensmerkmal von Josef Freihammer. Er war eine Lichtgestalt am Politikerhimmel.

Eine Herzensangelegenheit von Josef Freihammer war auch zeitlebens die Versöhnung von Kirche und Sozialdemokratie. Wir haben deshalb auch gemeinsam vor 30 Jahren auf seine Initiative hin die ACUS – Amstetten gegründet. Es ist jene Gemeinschaft, wo dieser Versöhnungsprozess vorangetrieben wird und wo sich Menschen zusammenfinden, die überzeugte Christen uns überzeugte Sozialdemokraten sind. Wir haben in der ACUS oft gesagt, dass Josef die personifizierte ACUS ist. Seine sozialistischen Wurzeln hat er aus seinem Elternhaus. Er stammte aus einer Eisenbahnerfamilie. Seine christlichen Wurzeln hat er auch von seiner Familie und auch vom Lehrerausbildungsinternat in Strebersdorf.

Wir alle wissen, dass in der Vergangenheit die Gräben zwischen Kirche und Sozialdemokratie sehr tief waren. Er sagte mir öfter, dass er sich in der Kirche manchmal als Katholik zweiter Klasse gefühlt hat, weil er Sozialist war und dass er sich auch oft als Sozialist zeiter Klasse gefühlt hat, weil er ein engagierter Katholik war. In der ACUS hat er auch erfahren, dass viele christliche und sozialistische Werte identisch sind: Das bewusste Stehen auf Seite der Schwachen der Gesellschaft, der Einsatz für mehr Gerechtigkeit sind Werte, die den Christen und den Sozialdemokraten heilig sind.

Es sind auch Werte, die uns Jesus vorgelebt hat und zu denen er leidenschaftlich die Menschen aufgerufen hat. Wir haben im Evangelium soeben  die Seligpreisungen der Bergpredigt gehört. Jesus preist hier Menschen selig, die einen Hunger und Durst nach Gerechtigkeit gehabt haben. Der Herr Freihammer hat diesen Hunger nach mehr Gerechtigkeit gehabt. Jesus preist jene selig, die Friedensstifter sind. Der Herr Freihammer war ein Friedensstifter. Er hat nicht den Streit, sondern die Versöhnung gesucht.

Als wir bei Beginn des Irakkrieges hier in der Kirche einen Friedendgottesdienst gefeiert und uns nachher zu einer Demonstration auf den Hauptplatz versammelt haben, da war er selbstverständlich dabei. Auch bei den politischen Nachtgebeten der „Pax Christi“  Bewegung in  der Klosterkirche war er immer dabei.

Er ist ganz plötzlich gestorben . Er ist eingeschlafen und nicht mehr wach geworden. Er war aber jederzeit auf den Tod vorbereitet. Er hat dem Aufruf Jesu immer Beachtung geschenkt. Seid wachsam, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde. Er hat mit einem guten Gewissen gelebt und er hat sich jeden Sonntag und er hat sich jeden Sonntag in der heiligen Messe die Kraft geholt zu diesem Leben, das ein Leben in der Intention von Jesus war und das für uns alle ein Vorbild ist. 

Seinen Enkelkindern möchte ich sagen:  Ihr könnt stolz sein, einen solchen Opa gehabt zu haben und ich denke, dass er gerade für euch ein großes Vorbild bleibt. Wir dürfen annehmen, dass es ihm jetzt gut geht und dass Gott sein Leben angenommen hat. Ich bin überzeugt, dass Jesus dieses Wort bereits zu ihm gesprochen hat: Du guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn. Wir dürfen annehmen, dass  er mit seiner lieben Frau Ilse wieder vereint ist, die er sehr geliebt hat und die er sehr liebevoll in ihrer schweren Krankheit bis zum Ende begleitet hat. Ich neige mich in tiefer Ehrfurcht und großer Dankbarkeit vor diesen großen Menschen Josef Freihammer. Er war nicht groß durch seine Titel und durch seine  hohen Ämter – er war groß als Mensch. Für uns ist es unvorstellbar, dass die Asche in der Urne und die Erinnerung an ihn das einzige ist, das von ihm übrig bleibt. Wir könnten dann auch dem Leben wenig Sinn abgewinnen.

In neun Tagen feiern wir Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu. Es ist das Fest der Feste. Dieses Fest sagt uns nicht nur, dass Jesus vom Tod auferstanden ist,  sondern dass auch wir nach dem Tod auferstehen zu einem neuen Leben.  Wir kennen nicht genau jenes Land, das wir nach dem Tod betreten werden, aber wir dürfen annehmen, dass es ein wunderschönes Land sein Wird.

Uli und Ilse, Ihr habt auf die Parte Eures Vaters den Satz von Adalbert Stifter geschrieben: Wenn wir jemanden  sehr lieben, so ist es uns, als sei er unsterblich. Er lebt weiter und er wird Euch vom Himmel aus auch weiterhin nahe sein und Euch begleiten. Es ist daher berechtigt, dass wir ihn zum Abschied zurufen.“Auf Wiedersehen!“ Weil er ein Italienfan war, möchte ich auch sagen: „Arividerci Guiseppe!“

Es dürfen uns trotzdem beim Abschied auch Zweifel und Fragen begleiten. Der große Theologe Romano Guardini hat einmal gesagt:“ Glaube heisst, seine Zweifel auch ertragen zu können.“ Legen wir all unsere Trauer, unsere Zweifel und Fragen in die Hände eines uns alle liebenden Gottes, der letzlich alles zu einem guten Ende führen wird. Ich möchte das ausdrücken mit einem Text des jüdischen Religionsphilosophen Shalom ben Chorin:

 

Wir wissen nicht, woher wir kommen,

Wir wissen nicht, wohin wir gehen.

Wir sind von einer großen Hand genommen,

Wir sind die Frage, du bist das Verstehen.

 

Wir sind so müd, dass wir die Augen schließen,

Und wissen doch, die Welt wird fortbestehen.

Wir sind so schwach, dass wir das Glück vergießen,

Und wissen doch, das Unglück wird vergehn.

 

Wir sind die Spanne zwischen zweien Träumen

Wir sind zu Ende ehedem wir waren

Wir sind ein immerwährendes Versäumen

Und haben uns im letzten nie erfahren.

 

Wir wissen nicht, woher wir kommen,

Wir wissen nicht, wohin wir gehen.

Du hast uns nur ein Stückchen mitgenommen,

Wir bleiben Frage, du bist das Verstehen.