
Antrag zur Wiener Landeskonferenz 2009 der SPÖ
Gegen Rambomethoden bei der Polizei
Die Zeiten, da die
Exekutive und die Arbeiterschaft sich unversöhnlich gegenüberstanden,
sind seit einem Menschenalter vorbei. Mit dem Ende der
Schreckensherrschaft der Hitlerdiktatur ist unsere demokratische
Republik wieder erstanden und die Polizei ist ein integrierender
Bestandteil unseres Staatswesens und von Gegnern zu Freunden und Helfern
geworden.
Einige wenige
Beamte trüben allerdings dieses positive Image. So wie unlängst in der
U-Bahn Station Spittelau, als ein Fahrgast nach dem Aussteigen von zwei
Beamten in Zivil, die sich nicht zu erkennen gegeben hatten, wortlos zu
Boden geworfen und krankenhausreif geschlagen wurde. Der Grund dafür war
eine Verwechslung, wie die Polizei erklärte. Wir meinen aber, dass
selbst ein Gesetzesbrecher ein Recht auf eine menschenwürdige Behandlung
hat. Wir fordern die letztverantwortliche Innenministerin Frau Dr. Maria
Fekter auf, dafür Sorge zu tragen, dass ein solcher Vorfall sich nicht
mehr wiederholt..
Bezirksgruppe Döbling der ACUS (Arbeitsgemeinschaft
Christentum und Sozialdemokratie)

Cartoon von
Gerhard Haderer (zum Vergrößern anklicken)
Rede am SPÖ Parteitag vom ACUS Bundesvorsitzenden Gustav Posch am
8.8.2008
Liebe
Genossinnen und Genossen!
Als wir hier an diesem Platz vor zwei Jahren unseren letzten Parteitag
abhielten, schien die Bastion der schwarz-blau-orangen Regierung
uneinnehmbar. Doch wir haben es gemeinsam geschafft, diese Wahl zu
gewinnen.
Jetzt, zwei
Jahre danach, stehen wir wieder vor einer Nationalratswahl. Die
Ausgangsposition ist womöglich noch schwieriger geworden.
Wir sollten uns
aber nicht nur darauf konzentrieren, die Schuld an allem Übel Schüssel,
Molterer und Co zuzuweisen. Es könnte sonst leicht sein, dass wir
bezichtigt werden würden, den Balken im eigenen Auge nicht zu sehen,
jedoch über den Splitter im Auge des anderen uns zu erregen.
Unser eben beginnender Wahlkampf weist aber in die richtige Richtung,
denn die Slogans sind griffig und einprägsam. Wir als ACUS hoffen, dass
Werner Faymann gelingen möge, was Alfred Gusenbauer versagt geblieben
ist, nämlich eine Regierung zu bilden, die nach Ablauf der
Legislaturperiode auf die Bewältigung der im Moment liegen gebliebenen
Aufgaben hinweisen kann.
Es ist heute
weder Zeit noch Ort, über Fehler, die in den letzten Jahren passiert
sind, zu debattieren. Aber nach der Wahl müsste eine breite Diskussion
in unserer Partei Platz greifen, denn etliche unserer Kernwähler sind
von unserer Partei enttäuscht und diese Menschen müssen wir unbedingt
zurückgewinnen.
Wichtig wäre
auch, uns mehr auf unsere Wurzeln zu besinnen und uns stärker als
bisher für die Anliegen jener Menschen einzusetzen, die vom allgemeinen
Wohlstand ausgeschlossen sind und am Rande der Gesellschaft leben. Wir
sind ja die Partei der "Kleinen Leute",
wir stehen für soziale Gerechtigkeit, auch wenn dieser Kampf im
Zeitalter des globalen Neoliberalismus scheinbar aussichtslos ist.
Ich will hier
nicht den Inhalt unserer Anträge wiederholen, aber Themen wie
Sicherung des
Sozialstaates durch eine aktive Arbeitsmarktpolitik
Wirksame
Bekämpfung der Armut durch Umverteilung und
eine humane
Flüchtlingspolitik halten wir für unverzichtbar.
Als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Christentum und Sozialdemokratie möchte ich ein Wort zu der Rolle der
Kirchen in Österreich sagen. Vor 5 Jahren haben alle christlichen
Kirchen in Österreich in ihrem Sozialwort auf die Wichtigkeit dieses
Themas hingewiesen. Die Grundsätze der Religionen und der
Sozialdemokratie sind in vielen Bereichen deckungsgleich, obwohl das
manche auf beiden Seiten nicht immer wahrhaben wollen.
Meine Freunde von der ACUS und ich sind jedenfalls
Sozialdemokraten, nicht obwohl wir Christen sind, sondern weil wir
Christen sind.
Bruno Kreisky wird der Ausspruch zugeschrieben: “Wenn es
uns gelingen könnte, die Christen für unsere Idee zu gewinnen, wären wir
unüberwindlich.“
Ich danke für Eure Aufmerksamkeit. Freundschaft!
Rede zum 1. Mai von Franz Sieder
Der erste Mai ist mehr als Nostalgie,
wo wir jener Gedenken, die ihr Leben eingesetzt haben, um für die Befreiung der
Arbeiterinnen zu kämpfen. Der erste Mai ist auch jener Tag, der den Arbeiterinnen und
Arbeitern von heute bewusst machen soll, dass dieses Befreiungskonzept noch nicht
abgeschlossen ist und dass es wichtig und notwendig ist weiter zu kämpfen.
Die Unterdrückung und Benachteiligung
der arbeitenden Menschen ist heute vielleicht etwas subtiler geworden.
Mobbing, Arbeitsstreit, prekäre Formen der Arbeit, Fließband und Akkordarbeit,
Benachteiligung der Frauen. Das alles gibt es auchheute und das gibt es auch in
Vorarlberg. Es darf nicht nur darum gehen, dass wirallgemein von Gerechtigkeit und
sozialer Fairness sprechen – es muss auch darum gehen, dass die Ungerechtigkeiten und
die soziale Unfairness beim Namen genannt wird.
Unsozial und unfair ist es, wenn
Manager wie ein Siegi Wolf bei Magna ein Jahresgehalt von 15 Millionen Euro
haben und in der Textilindustrie - zumindest bei uns in Niederösterreich - die Frauen
bei härtester Fließband und Akkordarbeit einMonatsgehalt bei einer 40 Stunden Woche
von 760 Euro haben. Eine Verteilungsgerechtigkeit von Reich und
Arm ist dringend notwendig in Österreich un auch weltweit. Ich bin aber nicht nur für eine
Unverteilung von Reich zu Arm – Ich bin auch für ein Teilen der Arbeit – das ist der
christliche Weg. Das Teilen von Arbeit heißt Arbeitszeitverkürzung. Jene, die Arbeit
haben, sollen Ihre Arbeit mit denen teilen, die keine Arbeit haben. Diese
Arbeitszeitverkürzung soll natürlich geschehen bei vollen Lohnausgleich. Es ist genügt
gesellschaftlicher Reichtum da. wir müssten nur den Reichen mehr wegnehmen – sie sind dann
immer noch reich. In einem reichen Österreich muss auch ein gutes
Gesundheitssystem finanzierbar sein. Solange wir uns unfinanzierbare Abfangjäger leisten
muss auch das Geld für die Gesundheitsversorgung da sein.
Die sogenannte soziale Marktwirtschaft
wurde umgewandelt in eine neoliberale Wirtschaft. In dieser neoliberalen
Wirtschaft zählt der Mensch nichts, nur der Profit. Heute reagiert der Markt total und was
in diesen Markt nichts einzubringen hat, derist uninteressant, der bleibt oft
draußen und der kann verrecken. In vielen Ländern unserer Erde entscheidet der Markt über
Leben und Tod.
Die Wirtschaftsverantwortlichen möchten
auch immer mehr die sozialen Schranken abbauen – sie möchten immer mehr in den
heiligen Bezirk der Humane eindringen und ohne Rückstand auf Verlust Gewinn
machen. wachsam sind und sich nicht blenden
lassen. Das neoliberale Hochwasser droht uns zu überschwemmen und wir müssten
gemeinsam als Kirche, als Sozialdemokratie und als Gewerkschaft Dämme errichten,
damit uns dieses Hochwasser nichtüberschwemmen kann. Zu diesem Damm
gehört auch die Mindestsicherung. Ich würde mir nicht nur eine
Bedarfsorientierte, sondern eine bedingungslose Mindestsicherung wünschen. Dann wären
nämlich die Arbeiter nicht mehr erpressbar und sie müssten nicht unter jeder
Bedingung eine Arbeit annehmen. Es müsste dann eine menschenwürdigere Arbeit angeboten
werden.
Wir feiern heute auch das Fest Christi
Himmelfahrt. Wenn ich dieses Fest mit der Arbeit in Verbindung bringe, dann
möchte ich sagen, dass Jesus und nicht nur auf ein besseres Jenseits nach dem Tod
Vertröstet hat, sondern dass er auch möchte,dass es uns hier auf dieser Welt gut
geht – dass es menschenwürdige Arbeitsbedingungen gibt – dass die
Kluft zwischen Arm und Reich kleiner wird, dass Ungerechtigkeiten abgebannt werden und
dass alle Menschen unserer Erde inFreiheit und würde Leben können. Jesus
hat gesagt: „Ich will, dass die Menschen dasLeben haben und dass sie es in Fülle
haben:“ In der Bibel heißt es z.B. dass die Vorenthaltung des gerechten
Arbeitslohnes zu den himmelschreienden Sündengehört.
Die katholische Soziallehre, das sind
die Sozialenzykliken der letzten Päpsten, wiederholt immer wieder, dass die
Abriet Vorrang vor dem Kapital haben muss, weil die Arbeit immer mit dem Menschen
selbst zu tun hat, während das Kapital nurinstrumentalen Charakter hat. Die
Konsequenz dieser Grundsätze wäre, dass die eigentlich bestimmenden in der
Wirtschaft die Arbeiter sein sollten und nicht die Kapitaleigentümer. Jesus war ganz
sicher immer parteiisch für die Kleinen und Schwachen – er hat die Habgier und den
Reichtum gebrandmarkt und er war ein leidenschaftlicher Kämpfer für
Gerechtigkeit.
Es ist nicht richtig, wenn sich eine
Partei christlich nennt oder sich auf die Grundwerte der kirchlichen Soziallehre
berufen möchte, wenn sie sehr offensichtlich eine Politik für die Reichen macht. Und
ein Anwalt der neoliberalen Wirtschaft ist. Welche Partei ich meine dass wisst ihr.
Ich habe mit dem Politologen Emmerich Talos gesprochen und er hat mir bestätigt,
dass alle Reformen die in der Schüsselregierung durchgeführt wurden, letztlich Reformen
waren, von denen die Reichen profitiert haben. Wenn links heißt, auf Seite der
Schwachen der Gesellschaft zu stehen und wenn links heißt, sich Einsetzen für
mehr an Gerechtigkeit, dann kann eine christliche Politik nur eine linke Politik sein.
Ein Gradmesser, nach der wir die Politik immer bemessen sollen ist, ob es in der
Grundintention wirklich um den Menschen geht.
Ein Schüsselsatz der Heiligen Schrift
steht im so genannten Hohelied der Liebe. Er heißt: „Wenn du alles, was du besitzt
den Armen ausleihen würdest, hättest aber die Liebe nicht, dann wäre alles umsonst.“
Das heißt übersetzt: „Du kannst vielleichtäußerlich durch manche soziale Farben
den Anschein von Liebe und sozialem Engagement erwecken“ – das hättest du
aber die Liebe nicht. Heißt: „Wenn es dir in deinen Intention, in deiner innersten
Absicht nicht wirklich um den Manschen geht, dann ist alles umsonst und dann hat
auch dein Handeln nichts mit Liebe zu tun.“ Ich will jetzt die Sozialdemokratie
nicht heilig sprechen – ja ich möchte sogar sagen, dass sie auch in Gefahr ist, zu
verbürgerlichen oder von Bazillus des neoliberalen Denkens angesteckt zu werden. Wir
müssen da immer auch Wachsam sein undbereit sein und zu den
sozialdemokratischen Grundwerten zu bekehren. Das eine aber getraue ich mir zu sagen, dass
diese Grundintention für den Menschen, besonders für die Schwachen der
Gesellschaft in der Sozialdemokratie immer war und auch heute da ist. Wenn diese
Grundintention nicht da wäre, dann würden wirauch den Namen Sozialdemokratie nicht
verdienen.
Zu den Merkmalen der Sozialdemokratie
gehört auch die Affinität zu den Arbeitern und Arbeiterinnen. Auch wenn sich die
Sozialdemokratie öffnen muss für andere Schichten und Milieus, die Arbeiter
müssen der Sozialdemokratie immer eineprivilegierte Schicht bleiben und sie
müssen das Gefühl haben, dass die Sozialdemokratie ihre politische Heimat
ist und dass in dieser Partei ihre Probleme gehört werden. Ich bemühe mich auch
sehr um eine Versöhnung zwischenSozialdemokratie und Kirche. Ich habe
meinem Bischof einmal gesagt: „Es gibt keine Versöhnung zwischen Kirche und
Arbeiterschaft, wenn es nicht zugleich auch eine Versöhnung zwischen Kirche und
Sozialdemokratie gibt.“ Die wirklichen christlichen Werte sind vielfach sehr identisch mit
den wirklich sozialdemokratischen Werten.
In unserer neoliberalen Wirtschaft
versucht man auch die Gewerkschaft zu unterminieren oder auszuschalten. Frank
Stronach hat gesagt: „Ich weiß, was die goldene Regel ist, wer da Gold hat, der
macht auch die Regel.“ Wer dieGewerkschaften ausschalten möchte, der
legt sine Axt an die Wurzeln der Sozialdemokratie. Wenn es die
Gewerkschaften nicht gäbe, dann müssten sie in unserer menschenverachtenden,
neoliberalen Wirtschaft neu geschaffen werden.Ich rufe alle unter euch auf, die noch
nicht bei der Gewerkschaft sind, dieser beizutreten. Wir dürfen auch keine
Angst vor dem Demonstrieren und dem Streik haben. Der Streik ist ein legitimes,
gewaltloses Mittel, um der Gerechtigkeit zumDurchbruch zu verhelfen. Auch in der
Kirche müssen wir diese Hemmschwelle der Demonstrierenden für eine gerechtere
Welt verlieren.
Ich habe einmal einen Unternehmer
gefragt, ob er mir Recht gibt in der Behauptung, dass den Arbeitern allen, was sie an
sozialen Ehrungen schaffen haben, niemals von oben geschenkt wurde, sondern dass sie
sich das alles erkämpft haben. DerUnternehmer sagt nur, „Ja, da gebe ich
Ihnen Recht.“ Das stimmt vielleicht nicht ganz auf Vorarlberg, wie ich gehört
habe, dass es bei euch auch Unternehmer mit einem sozialen Herz gibt. Ich möchte
auch nicht in erster Linie den Unternehmer an den Pranger stellen. Die kleinen Gewerbetreibenden sind
selbst oft arme Hunde und müssen in diesemSystem oft ums Überleben kämpfen. Es
ist oft ein Fressen und Gefressen werden. Das eigentliche Schwein, das wir
bekämpfen sollen, ist nicht der Unternehmer, es ist nicht das menschengerechte, sondern nur
geldgerechte System. Der Papst hat dieses System „Strukturen der Sünde“ genannt.
Wir brauchen ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, wo der Mensch das
Ziel ist und nicht der Profit. Marion Gräfin Donhöff, die frühere Herausgeberin der
Wochenzeitschrift „Die Zeit“ - sie ist sicher nicht dem linken Lager zuzuordnen – sie
sagte: „Der Motor dieses Systems ist der Eigennutz – es geht nur darum besser zu
sein und mehr zu verdienen als die Konkurrenten.“ „Der kritische deutsche
CDU’ler Heiner Geißler hat dieses neoliberale Wirtschaftssystem mit seinen
Heuschrecken-Kapitalismus vor 2 Jahren einmal als Mafia und Terrorismus bezeichnet.
Wenn wir das Gleichnis vom barmherzigen
Samariter nicht nur so verstehen, dass wir die Wunden derer verbinden, die sozial
geschädigt wurden, sondern dass wir auch die Räuber und Gauner bekämpfen sollen,
die ununterbrochen den Menschen diese Wunden zufügen, dann heißt es
Räuberbekämpfung. Auch dieses unmenschlicheneoliberale Wirtschaftssystem zu
demaskieren und zu bekämpfen, durch das Mensch und Natur unter die Räder kommen.
Der legendäre und visionäre
Gewerkschafter und Sozialist Alfred Dallinger, der hier in Vorarlberg auf so tragische Weise den
Tode gefunden hat – er war einmal von der Arbeitsgemeinschaft Christentum und
Sozialdemokratie bei uns in Amstetten zueinem Vortrag eingeladen. Er sagte
damals als Schlusssatz: „Wir müssen als Christen und als Gewerkschafter näher
zusammenrücken, denn wir haben dieselben Ziele und dieselben Gegner.“ Als Christen und als
Sozialdemokraten glauben wir, dass das Gute möglich ist. Die unmenschliche
neoliberale Wirtschaft wird einmal wie ein Kartenhauszusammenbrechen. Wir wissen und glauben
auch, dass Gott in unserem Einsatz für eine gerechtere Welt auf unserer Seite
ist. Am Ende wird der siegen, der die größereLiebe hat.
Albert Einstein sagt: „Nur die
Theologie lehrt uns, dass der Mörder über das geschundene Opfer letztlich nicht
triumphieren wird. Die Theologie lehrt uns, dass die Unterdrücker und Ausbeuter
letztlich nicht den Sieg davon tragen werden. AlbertCamus, der große französische Dichter
und Philosoph hat – obwohl er selbst nicht Christ war, einmal einen Appell an die
Christen gerichtet. Ich möchte diesen Appell von Albert Camus jetzt zum Schluss an
die Christen und Sozialdemokraten richten. Er heißt: Wir können zwar nicht
verhindern, dass diese Welt eine Welt ist, in der Kinder gemordet werden, aber wir können
die Zahl der gemordeten Kinder verringern und wenn Sie als Christen
und Sozialdemokraten uns dabei nicht helfen,wer soll uns dann helfen!
Vor kurzem hatten wir den 40. Todestag
des Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King begangen. Knapp vor seiner
Ermordung hat er in Washington seine große Rede
„I have a dream“
gehalten. Er sprach vom Traum,
einem befreiten und glücklichen Amerika. Ich möchte jetzt zum Schluss
auch noch einige sozialdemokratische Träume nennen, die ich habe.Ich träume davon, dass in Kirche und
Gesellschaft die Unterdrückung und Benachteiligung der Frauen beendet
wird. Ich träume davon, dass alles, was
Dienst am gesamten Volk ist nicht privatisiert wird. Bahn, Post,
Gesundheitswesen, Wasser, Bildung – das alles gehört nicht in die Hände von
profitgierigen Privatunternehmen Ich träume davon, dass sich die
Sozialdemokratische Partei klar abgrenzt, von der Ausländerfeindlichkeit einem BZÖ
und einer FPÖ. Die Frage ob das Bootvoll ist, dürfen wir erst dann stellen,
wenn wir auch wirklich schon Opfer für die Ausländer gebracht haben.
Ich träume davon, dass in der SPÖ sich
unser Herz auch öffnet für die hungernden und Not leidenden Menschen
in anderen Ländern. Globalisierung heißt auch ein weltweites
Verantwortungsbewusstsein entwickeln.Ich träume davon, dass der
Casinokapitalismus auf unserer Welt verschwindet und dass sich in der SPÖ niemand –
sowie Herr Elsner auf solche Casinospiele einlässt.
Ich träume davon, dass es uns gelingt
die permanente ökologische Zerstörung auf unserer Erde zu stoppen und wir
auch den kommenden Generationen die Chance geben, gut auf unserer Erde
leben zu können. Ich träume davon, dass wir mit Hilfe
von Gewerkschaft und SPÖ Arbeitsbedingungen schaffen, wo die
Menschen gerne in die Arbeit gehen und niemand mehr durch die Arbeit
gesundheitlichen Schaden erleidet. Ich träume davon, dass alle
sozialdemokratischen Politiker ihre Politik in einer hohen ethischen Verantwortung ausüben,
dass es ihnen nicht um ihre persönliche Karriere – auch nicht um
die Partei, sondern nur um den Menschen geht.
Ich träume auch davon, dass unser Volk
gescheiter wird und dass sie keine Bushs und keine Berlusconis mehr
wählen.Ich träume davon, dass das, was wir in
der Theologie „Reich Gottes“ und in der Sozialdemokratie klassenlose und
solidarische Gesellschaft nennen, kommen möge.
Glück auf!
Ein Hoch dem 1. Mai!
Freundschaft!
Josef Freihammer
+
Der Pädagoge, Historiker und
Politiker starb Anfang März im 87. Lebensjahr.
Am 13. März fand die Totenmesse in der Pfarrkirche St.
Stephan im Amstetten statt. Franz Sieder, der „Rote Kaplan“, der mit dem
Verstorbenen sehr verbunden war, hielt eine berührende Predigt. Er sagte
unter anderem:
Liebe Uli! Liebe Ilse! Liebe Schwester des Verstorbenen!
Liebe Enkelkinder, Liebe Verwandten! Liebe Vertreter
der Gemeinde Amstetten!
Liebe Gesinnungsfreunde der Sozialdemokratischen Partei!
Liebe in Trauer Versammelte!
Ich möchte vorausschicken, dass ich jetzt nicht in
erster Linie über den Politiker, Lehrer und Historiker Josef Freihammer
sprechen möchte. Seine politischen Verdienste wird noch der
Bürgermeister Herbert Katzengruber würdigen. Ich möchte in erster Linie
über den Menschen Josef Freihammer sprechen. Ich möchte über jene Werte
sprechen, die er gleichsam mit hinüber genommen hat in die Ewigkeit.
Titeln und Karriere zählen nämlich nichts mehr im Angesicht des Todes.
Es zählen nur noch die menschlichen Werte, die einen Menschen
ausgezeichnet haben und ich darf sagen, dass Herr Freihammer hohe
menschliche Werte gehabt hat.
Ich war mit ihm nicht nur verbunden durch unser
gemeinsames Enangement in der Arbeitsgemeinschaft Christentum und
Sozialdemokratie – uns hat auch eine persönliche Freundschaft verbunden.
Ich habe ihn sehr geschätzt und ich habe ihn wirklich gern gehabt. Wenn
ich mit manchen Leuten über Josef Freihammer gesprochen habe – ganz
gleich welcher Partei sie angehörten – da habe ich oft den Ausspruch
gehört: „Der Freihammer ist ein Ehrenmann“
Wenn ich jetzt einige seiner Werte hervorhebe, dann
möchte ich als erstes nennen seine Geradlinigkeit. Es gibt einen Film
über den heiligen Thomas Morus, den englischen Kanzler, der unter
Heinrich VIII, umgebracht wurde. Dieser Film hat den Titel: „Ein Mann zu
jeder Jahreszeit“. Diesen Titel könnten wir auch Josef Freihammer
verleihen. Auch er war ein Mann zu jeder Jahreszeit. Er ist zeitlebens
seinen Weg geradlinig gegangen. Er war nicht korrumpierbar. Er hat sich
durch seine politischen Ämter keine persönlichen Vorteile verschafft.
Diese Haltung ist heute nicht selbstverständlich unter Politikern, das
wissen wir alle. Er ist der Versuchung der Eigenprofilierung und der
Macht widerstanden. Er hat mir selbst einmal erzählt, dass er nie nach
Macht gestrebt hat. Er sagte mir auch, dass ihn einmal ein
Nationalratsmandat angeboten wurde an einer sicher wählbaren Stelle, er
hat aber abgelehnt aus familiären Gründen.
Ich möchte damit nicht sagen, dass es etwas Schlechtes
ist, ein höheres politisches Amt zu übernehmen. Ich möchte nur sagen,
dass der Herr Freihammer nicht nach Macht gestrebt hat. Er hat seine
politische Verantwortung als Dienst an den Menschen gesehen – so wie es
Jesus einmal im Evangelium gesagt hat:“ Wer der erste ist, der soll der
Diener aller sein.“ Demut und Bescheidenheit war ein prägendes
Wesensmerkmal von Josef Freihammer. Er war eine Lichtgestalt am
Politikerhimmel.
Eine Herzensangelegenheit von Josef Freihammer war auch
zeitlebens die Versöhnung von Kirche und Sozialdemokratie. Wir haben
deshalb auch gemeinsam vor 30 Jahren auf seine Initiative hin die ACUS –
Amstetten gegründet. Es ist jene Gemeinschaft, wo dieser
Versöhnungsprozess vorangetrieben wird und wo sich Menschen
zusammenfinden, die überzeugte Christen uns überzeugte Sozialdemokraten
sind. Wir haben in der ACUS oft gesagt, dass Josef die personifizierte
ACUS ist. Seine sozialistischen Wurzeln hat er aus seinem Elternhaus. Er
stammte aus einer Eisenbahnerfamilie. Seine christlichen Wurzeln hat er
auch von seiner Familie und auch vom Lehrerausbildungsinternat in
Strebersdorf.
Wir alle wissen, dass in der Vergangenheit die Gräben
zwischen Kirche und Sozialdemokratie sehr tief waren. Er sagte mir
öfter, dass er sich in der Kirche manchmal als Katholik zweiter Klasse
gefühlt hat, weil er Sozialist war und dass er sich auch oft als
Sozialist zeiter Klasse gefühlt hat, weil er ein engagierter Katholik
war. In der ACUS hat er auch erfahren, dass viele christliche und
sozialistische Werte identisch sind: Das bewusste Stehen auf Seite der
Schwachen der Gesellschaft, der Einsatz für mehr Gerechtigkeit sind
Werte, die den Christen und den Sozialdemokraten heilig sind.
Es sind auch Werte, die uns Jesus vorgelebt hat und zu
denen er leidenschaftlich die Menschen aufgerufen hat. Wir haben im
Evangelium soeben die Seligpreisungen der Bergpredigt gehört. Jesus
preist hier Menschen selig, die einen Hunger und Durst nach
Gerechtigkeit gehabt haben. Der Herr Freihammer hat diesen Hunger nach
mehr Gerechtigkeit gehabt. Jesus preist jene selig, die Friedensstifter
sind. Der Herr Freihammer war ein Friedensstifter. Er hat nicht den
Streit, sondern die Versöhnung gesucht.
Als wir bei Beginn des Irakkrieges hier in der Kirche
einen Friedendgottesdienst gefeiert und uns nachher zu einer
Demonstration auf den Hauptplatz versammelt haben, da war er
selbstverständlich dabei. Auch bei den politischen Nachtgebeten der „Pax
Christi“ Bewegung in der Klosterkirche war er immer dabei.
Er ist ganz plötzlich gestorben . Er ist eingeschlafen
und nicht mehr wach geworden. Er war aber jederzeit auf den Tod
vorbereitet. Er hat dem Aufruf Jesu immer Beachtung geschenkt. Seid
wachsam, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde. Er hat mit einem
guten Gewissen gelebt und er hat sich jeden Sonntag und er hat sich
jeden Sonntag in der heiligen Messe die Kraft geholt zu diesem Leben,
das ein Leben in der Intention von Jesus war und das für uns alle ein
Vorbild ist.
Seinen Enkelkindern möchte ich sagen: Ihr könnt stolz
sein, einen solchen Opa gehabt zu haben und ich denke, dass er gerade
für euch ein großes Vorbild bleibt. Wir dürfen annehmen, dass es ihm
jetzt gut geht und dass Gott sein Leben angenommen hat. Ich bin
überzeugt, dass Jesus dieses Wort bereits zu ihm gesprochen hat: Du
guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn. Wir
dürfen annehmen, dass er mit seiner lieben Frau Ilse wieder vereint
ist, die er sehr geliebt hat und die er sehr liebevoll in ihrer schweren
Krankheit bis zum Ende begleitet hat. Ich neige mich in tiefer Ehrfurcht
und großer Dankbarkeit vor diesen großen Menschen Josef Freihammer. Er
war nicht groß durch seine Titel und durch seine hohen Ämter – er war
groß als Mensch. Für uns ist es unvorstellbar, dass die Asche in der
Urne und die Erinnerung an ihn das einzige ist, das von ihm übrig
bleibt. Wir könnten dann auch dem Leben wenig Sinn abgewinnen.
In neun Tagen feiern wir Ostern, das Fest der
Auferstehung Jesu. Es ist das Fest der Feste. Dieses Fest sagt uns nicht
nur, dass Jesus vom Tod auferstanden ist, sondern dass auch wir nach
dem Tod auferstehen zu einem neuen Leben. Wir kennen nicht genau jenes
Land, das wir nach dem Tod betreten werden, aber wir dürfen annehmen,
dass es ein wunderschönes Land sein Wird.
Uli und Ilse, Ihr habt auf die Parte Eures Vaters den
Satz von Adalbert Stifter geschrieben: Wenn wir jemanden sehr lieben,
so ist es uns, als sei er unsterblich. Er lebt weiter und er wird Euch
vom Himmel aus auch weiterhin nahe sein und Euch begleiten. Es ist daher
berechtigt, dass wir ihn zum Abschied zurufen.“Auf Wiedersehen!“ Weil er
ein Italienfan war, möchte ich auch sagen: „Arividerci Guiseppe!“
Es dürfen uns trotzdem beim Abschied auch Zweifel und
Fragen begleiten. Der große Theologe Romano Guardini hat einmal gesagt:“
Glaube heisst, seine Zweifel auch ertragen zu können.“ Legen wir all
unsere Trauer, unsere Zweifel und Fragen in die Hände eines uns alle
liebenden Gottes, der letzlich alles zu einem guten Ende führen wird.
Ich möchte das ausdrücken mit einem Text des jüdischen
Religionsphilosophen Shalom ben Chorin:
Wir wissen nicht, woher wir kommen,
Wir wissen nicht, wohin wir gehen.
Wir sind von einer großen Hand genommen,
Wir sind die Frage, du bist das Verstehen.
Wir sind so müd, dass wir die Augen schließen,
Und wissen doch, die Welt wird fortbestehen.
Wir sind so schwach, dass wir das Glück vergießen,
Und wissen doch, das Unglück wird vergehn.
Wir sind die Spanne zwischen zweien Träumen
Wir sind zu Ende ehedem wir waren
Wir sind ein immerwährendes Versäumen
Und haben uns im letzten nie erfahren.
Wir wissen nicht, woher wir kommen,
Wir wissen nicht, wohin wir gehen.
Du hast uns nur ein Stückchen mitgenommen,
Wir bleiben Frage, du bist das Verstehen.